Manifest

Mit SENECON verstehen wir uns als Teil der Care Revolution Bewegung. Diese untersucht die sozio-ökonomischen Verhältnisse und macht sichtbar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen und unter welchen Verantwortungszuschreibungen Sorgearbeit in Deutschland geleistet und bewertet wird. Die Care-Bewegung zielt auf eine Veränderung politischer und arbeitsökonomischer Verhältnisse.

Mit unserer Arbeit verfolgen wir einen individuellen Ansatz. Wir haben in unserem Arbeits-bereich Elder Care vielfach festgestellt, dass Frauen unter den jetzigen, gegebenen Strukturen die Pflegesituationen falsch eingeschätzt haben, sich überfordern und häufiger erkranken. Häufig wird dies als ein höchstpersönliches Scheitern empfunden. Uns liegt daran, die strukturellen Zusammenhänge sichtbar zu machen, die zu dazu führen, dass Elder Care – nicht immer – aber häufig, mit diesen negativen Selbstzu-schreibungen einhergeht.

In unseren Vorträgen und workshops wollen wir ein realistisches und umfassendes Bild von Elder Care geben. Dazu zählen zum einen die bestehenden Versorgungswege, die Angebote der Pflegeversicherung, die Angebote außerhalb der Pflegeversicherung und insbesondere deren Alltagstauglichkeit in einer Arbeitsgesellschaft. Die ökonomischen Strukturen der Pflege und die gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen lassen wir dabei nicht unhinterfragt. Zum anderen thematisieren wir die eigenen Erwartungen, Selbstbilder, Kraftpotenziale und die Notwendigkeit der Selbstfürsorge. Dabei ist es nicht unsere Absicht, die bestehenden Verhältnisse nur kritisch oder mit einer negativen Konnotation vorzutragen. Denn Frauen müssen unter den aktuellen Bedingungen leben, handlungsfähig bleiben und Entscheidungen treffen.

Wir wollen Frauen aber zu verstehen geben, dass die Sorgearbeit nicht nur individuell zu denken, sondern in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen ist. Dabei sind wir geleitet von der Überzeugung, dass die Kenntnis über den eigenen Platz in einem politischen, ökonomischen und individuell geprägtem Gefüge nicht nur zu einer Erweiterung des Blickfeldes führt, sondern auch Teil einer Selbstermächtigung im Hinblick auf zu treffende Entscheidungen sein kann. Zudem möchten wir Impulse zu einem solidarischen Miteinander, einem geschärften Blick auf politische Veränderungen und bestenfalls zu einem aktiven Einfordern besserer Verhältnisse geben.

Erreichen wollen wir nicht nur Frauen, die derzeit von einer Pflegesituation betroffen sind oder kurz davor stehen. In einer Zeit des langen Lebens stehen sehr viele Frauen irgendwann vor der Situation, sich mit Elder Care auseinandersetzen zu müssen.

In diesem Sinne sehen wir uns als aktiver Teil der Care-Revolution.

*Natürlich sind von dieser Thematik nicht nur Frauen betroffen. Da es sich jedoch ganz überwiegend um Frauen handelt, werden wir hier von Frauen sprechen, um es als strukturelles Problem sichtbar zu machen.

*Unter Frauen verstehen wir jegliche Menschen, die in ihrem Leben eine weibliche Sozialisierung erfahren haben oder die sich dem weiblichen Geschlecht zuordnen